How Light Could Be

 
 

Einen Zeitungsartikel über die Intervention finden Sie hier.


Die kollektive Intervention How Light Could Be fand am 5. Juli 2014 für die Dauer einer Stunde vor dem Deutschen Bergbaumuseum in Bochum statt. 15 PerformerInnen belebten je einen grün leuchtenden LED-Buchstaben. Wir kommentierten mit dieser Aktion das Sommerfestival des Schauspielhaus Bochum „This is not Detroit“.


Die Arbeit, mit der dieses Festival eröffnet wurde, war Tim Etchells‘ Installation How Love Could Be am Förderturm des Deutschen Bergbaumuseums. In großen roten LED-Lettern zeigte sie eine Textzeile aus einem Song des Plattenlabels Motown aus Detroit.

„This is not Detroit“ setzte sich mit der Frage nach Bochums postindustrieller Zukunft auseinander, jedoch nur wenigen erschloss sich die vom Künstler mit dieser Textzeile intendierte Reflexion über die Verbindung zwischen Detroit und Bochum. Wer den Zusammenhang erkannte, wunderte sich unter Umständen noch mehr über die Worte am Förderturm, da sie ein Festival begleiteten, das sich im Titel dezidiert von der Stadt Detroit und ihrer Entwicklung abgrenzte.


8,73 Volt - Ein Wort macht den Unterschied


Uns ging es mit How Light Could Be darum, einen künstlerischen Kommentar zu „This is not Detroit“ und Etchells‘ Installation zu realsisieren. Zunächst sind wir How Love Could Be mit demselben Medium, einer (nur noch temporäreren) Lichtinstallation begegnet - mit LED-Buchstaben in der Komplementärfarbe zu jenen am Museumsturm. Es war uns wichtig, das eigene Medium mitzureflektieren, einerseits im Titel („Wie Licht sein könnte“), andererseits über 21 Sätze, die die 15 PerformerInnen nach Handlungsanweisungen sprachen.


8,82 Volt - Wo ist das alles denn morgen?


Jeder LED-Buchstabe war mit einem Energiespeicher sowie einem Spannungsmessgerät ausgestattet, das die langsame Entladung des Speichers wahrnehmbar machte. Mit bestimmten Spannungswerten waren Sprech- oder Handlungsanweisungen aus dem Kontext des Sommerfestivals verknüpft. Die Intervention zeigte damit einen Zerfallsprozesses auf zwei Ebenen auf: Den Zerfall eines weiteren Industriezweiges in Bochum sowie den Zerfall unserer eigenen Installation. Über die Sprechanweisungen stellte How Light Could Be auch die Frage nach der Nachhaltigkeit des Schauspielhaus-Festivals, das die Veränderung des Stadtbildes und der Stadtstruktur diskutierte: Nicht nur waren nahezu alle Arbeiten im Rahmen des Festivals temporärer Art und wurden nach Festivalende wieder abgebaut, auch scheinen aus der Initiative keine langfristig tragfähigen Strukturen entstanden zu sein, die immer wieder aufs Neue flüchtige Kunst hervorbringen können.


8,93 Volt - Wir als Stadt müssen gemeinsam durch diesen Schmerz durch


Die Frage, wie Licht(kunst) sein könnte, lässt sich auf das ganze Projekt „This is not Detroit“ beziehen. Zu bedauern war vor allem, dass viele lokale Ressourcen ungenutzt blieben und stattdessen einzelne internationale Künstler mit Arbeiten beauftragt wurden. Diese stammten zwar vorrangig aus Städten anderer (ehemaliger) Opelstandorte in Europa, um Bochums postindustrielle Zukunft neu zu denken und zu gestalten hätte man jedoch lokale Ressourcen stärker einbinden können.

Aus diesem Grund war unsere performative Intervention ausdrücklich als kollektive Aktion angelegt. Die Beteiligung der 15 PerformerInnen, unter ihnen junge Bochumer KünstlerInnen, machte diese temporäre Lichtinstallation erst möglich: Eine Intervention mit einer Gruppe, die die Kunst erst entstehen lässt, statt ein von einem Einzelnen entworfenes Kunstwerk für eine unbeteiligte Gruppe von Menschen.


Schließlich ging es uns mit How Light Could Be darum, künstlerische und kreative Wege für Meinungsäußerung auszuloten und einen Raum für verschiedenste Positionen zu „This is not Detroit“ sowie für eine kritische Reflexion ähnlicher Projekte zu eröffnen.